Du hast dein Abizeugnis in der Tasche, die großen Partys sind vorbei, und jetzt fragst du dich, wie der nächste Schritt aussehen soll. Schließlich stehen dir viele Möglichkeiten offen, bevor du ins Studium oder in eine Ausbildung wechselst. Eine sinnvolle Idee ist, auf Reisen zu gehen, um andere Länder in Europa oder auf anderen Kontinenten besser kennenzulernen, Sprachkenntnisse zu vertiefen und intensiver in andere Kulturen einzutauchen.
Aber welche Form von Reise passt zu dir? Die eine oder genau richtige Abireise gibt es eher nicht. Kriterien für deine Entscheidung sind in erster Linie deine persönlichen Vorlieben, dein vorhandenes Budget, dein Zeitfenster sowie die Frage, wie viel Organisatorisches du selbst in die Hand nehmen willst.
Der folgende Beitrag stellt sieben Möglichkeiten vor, die dir als Anregung und Orientierung dienen sollen, damit du die Reiseform findest, die am besten zu dir passt.
Der kurze Reisecheck
Die folgende Tabelle liefert dir einen schnellen Überblick nach Reiseart, Dauer, Budget und Zielgruppe.
| Art der Reise | Dauer | Budget (grob) | Geeignet für |
| Betreute Party-/Gruppenreise | 1-2 Wochen | niedrig bis mittel | Feiern, abschalten, wenig selbst planen |
| Interrail | 1-4 Wochen | niedrig bis mittel | Flexible, neugierige Europa-Entdecker |
| Backpacking | mehrere Wochen bis Monate | mittel | Abenteuerlustige mit viel Zeit |
| Work & Travel | mehrere Monate bis 1 Jahr | selbst finanziert | Wer unterwegs arbeiten und Geld verdienen möchte |
| Sprachreise | 1-4 Wochen | mittel | Wer Sprache und Urlaub verbinden will |
| Freiwilligenarbeit | mehrere Wochen bis Monate | niedrig bis mittel | Sinnorientierte Reisende |
| Roadtrip mit Freunden | flexibel | mittel | Kleine Gruppen mit dem Wunsch nach Unabhängigkeit |
Die Tabelle erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und liefert lediglich Anhaltspunkte. Denn eine zwei- bis dreiwöchige Reise zu einem bestimmten Ziel kann durchaus deutlich teurer sein als ein mehrmonatiger Aufenthalt in einem Land mit günstigen Lebenshaltungskosten. Beachte auch, dass dein Budget nicht nur Flüge und Fahrten, Unterkünfte und Verpflegung abdecken muss, sondern auch Posten für Reiseversicherungen, Impfungen, eventuelle Visagebühren und verschiedene Aktivitäten enthalten sollte. Ein finanzieller Puffer für Notfälle ist ebenfalls sinnvoll.
Betreute Party- und Gruppenreise: der unkomplizierte Klassiker
Du willst nach dem Prüfungsstress einfach nur feiern und abschalten, ohne dich um irgendwas kümmern zu müssen? Dann ist die betreute Gruppenreise genau dein Ding. Anreise, Unterkunft, Verpflegung und ein Ansprechpartner werden vom Veranstalter organisiert. Klassische Ziele sind unter anderem Lloret de Mar, Rimini oder Novalja auf der kroatischen Insel Pag. Für viele junge Leute ist das die erste Reise ohne Eltern, und genau dafür sind diese Angebote gemacht: mit planbaren Kosten, Sicherheit durch Betreuung und einer Umgebung aus Gleichgesinnten.
Der Markt für betreute Jugend- und Abireisen ist groß. Wer sich für diese Variante interessiert, findet bei Anbietern eine breite Auswahl an Pauschalangeboten, die speziell auf junge Leute zugeschnitten sind. Wichtige Infos, etwa zu rechtlichen Rahmenbedingungen für Minderjährige auf Reisen, bietet zum Beispiel der ADAC.

Interrail: Europa per Zug entdecken
Kaum ein anderes Reiseformat vereint Flexibilität und Erschwinglichkeit so gut wie Interrail. Mit einem Ticket kannst du durch bis zu 33 europäische Länder reisen, und zwar zu einem festen Preis. Aktuelle Preise für den beliebten Global Pass, beispielsweise 7 Reisetage innerhalb eines Monats, liegen für Reisende unter 28 Jahren bei 286 Euro für die zweite Klasse. Die Preise gelten für 2026.
Ein klarer Vorteil ist, dass du sehr spontan und ohne lange Vorplanung entscheiden kannst, wohin es geht. Praxistipp: Beachte die Regelungen für Reservierungspflichten bei internationalen Zugverbindungen wie dem Eurostar und Gebühren für Schnellzüge wie Thalys, TGV oder ICE. Informiere dich rechtzeitig vor der Abfahrt, welche Strecken eine Sitzplatzreservierung erfordern.
Interrail ist perfekt für alle, die viele Länder in kurzer Zeit sehen wollen und keine Angst vor spontanen Entscheidungen haben.
Backpacking: die große Fernreise auf eigene Faust
Backpacking ist die Traumreiseart all jener, die es wirklich weit weg zieht. Klassische Ziele dafür sind Südostasien, Südamerika oder Australien. Der wichtigste Unterschied zur Gruppenreise: Du organisierst alles selbst. Hostels, Transport und Reiseroute liegen vollständig in deiner Hand. Dafür kannst du eine grenzenlose Freiheit genießen. Wenn du diesen Weg wählst, sei dir aber im Klaren darüber, dass die Planung mehr Vorbereitung braucht, dafür aber auch deutlich intensivere Erlebnisse ermöglicht.
Backpacking-Budgets sind schwer pauschal zu beziffern, aber in Südostasien kommt man mit 30 bis 50 Euro pro Tag gut aus, in Australien oder Neuseeland eher mit dem Doppelten. Hier gilt: Langsam reisen spart Geld und bringt mehr Eindrücke.
Work & Travel: arbeiten, Geld verdienen, reisen
Die Work-&-Travel-Idee ist einfach, aber genial: Du reist durch ein Land und finanzierst deine Reise durch gelegentliche Jobs. Mit einem sogenannten Working-Holiday-Visum, wie es etwa in Australien, Neuseeland, Japan oder Kanada üblich ist, kannst du an deinem Reiseziel zeitlich begrenzt arbeiten und deine Reisekasse unterwegs selbst wieder auffüllen.
Achte bei der Planung auf Altersgrenzen für das jeweilige Land, auf das Kontingentangebot und auf Visagebühren. Work & Travel lohnt sich besonders für alle, die länger unterwegs sein wollen und keine Scheu vor Gelegenheitsjobs haben. Du lernst nicht nur Land und Leute gut kennen, sondern kannst auch praktische Berufserfahrung sammeln, die sich später auszahlen wird.
Sprachreise: Urlaub mit Lerneffekt
Du möchtest vor Ausbildung oder Studium bestimmte Sprachkenntnisse auffrischen oder vertiefen und dabei ein anderes Land und eine andere Kultur erleben? Eine Sprachreise eröffnet dir beide Möglichkeiten. Es gibt sie in Form von Gruppenkursen, Einzelunterricht oder Kombiangeboten mit Freizeitprogramm. Die Dauer ist flexibel und reicht von einer Woche bis hin zu mehreren Monaten.
Wenn du ein Studium mit Sprachvoraussetzungen oder auch ein Auslandssemester planst, profitierst du besonders von diesem Reiseformat. Der Vorteil etwa gegenüber reinem Backpacking liegt in einer klaren Struktur, einem festen Umfeld und einem messbaren Lernfortschritt am Ende.

Freiwilligenarbeit im Ausland: reisen und etwas zurückgeben
Deine Reise nach dem Abi muss sich nicht auf „Konsum“ beschränken. Du kannst auch etwas zurückgeben, indem du dich für ein Projekt der Freiwilligenarbeit entscheidest. So verbindest du das Erleben fremder Länder mit einem sinnstiftenden Beitrag, zum Beispiel im Natur-, Tier- oder Sozialschutz.
Wenn du dich für diesen Weg entscheidest, solltest du unbedingt auf seriöse Anbieter achten, die faire Bedingungen garantieren. Die Kosten sind meist überschaubar, viele Projekte sind sogar günstiger als reine Urlaubsreisen. Allerdings ist die Vorbereitung intensiver: Du solltest dich vorab gut über das Projekt informieren und klären, ob du für bestimmte Tätigkeiten körperlich geeignet bist oder besondere Qualifikationen benötigst.
Roadtrip mit Freunden: Freiheit auf vier Rädern
Camper mieten, Route grob skizzieren und einfach losfahren. Das macht den Roadtrip zum Inbegriff von Freiheit und Spontaneität. Wenn gemeinsame Erlebnisse für dich besonders wichtig sind, ist dieses Format wahrscheinlich das Richtige für dich. Du kannst deine Route jederzeit umplanen und bist an keine festen Stationen gebunden. Für kleine Freundesgruppen, die Unabhängigkeit schätzen und ihren Tagesablauf völlig frei gestalten wollen, ist ein Roadtrip die optimale Wahl.
Das Budget hängt ab vom gewählten Fahrzeug, von Sprit- oder Stromkosten bei E-Autos, von der gewählten Region und eventuellen Mautgebühren. Aber Camping, eigene Küche und keine festen Unterkunftszeiten machen diese Art zu reisen günstig, unabhängig und perfekt für kleine Gruppen von drei bis vier Leuten.
So findest du deinen Weg
Drei Leitfragen, die du für dich ehrlich beantworten solltest, helfen dir bei der Entscheidung:
1. Wie viel Zeit hast du?
Nur ein paar Wochen? Dann sind Interrail oder Gruppenreise ideal. Mehrere Monate bis zu einem Jahr? Dann kommen Work & Travel oder Backpacking infrage.
2. Wie hoch ist dein Budget?
Starte mit einer realistischen Einschätzung. Für Interrail brauchst du etwa 1.000 bis 1.500 Euro für einen Monat, inklusive Verpflegung und Unterkunft. Beim Backpacking in Südostasien kannst du mit weniger Geld klarkommen, während Work & Travel dich durch eigene Einkünfte unabhängiger macht.
3. Willst du alles selbst organisieren oder wünschst du dir Betreuung?
Wenn du nach dem Abi-Stress einfach entspannen willst, ist die betreute Gruppenreise deine Wahl. Wenn du deine Reise lieber selbst in die Hand nimmst, sind Interrail, Backpacking oder Roadtrip die besseren Optionen.
Egal, wofür du dich entscheidest: Die Zeit nach dem Abi ist ein einmaliges Fenster voller Möglichkeiten.
FAQ – Häufige Fragen
In Deutschland gibt es keine gesetzliche Altersgrenze für alleinreisende Jugendliche. Allerdings haben viele Fluggesellschaften und Hotels eigene Regelungen. Wer unter 18 Jahren reist, sollte sich vorab über die Bedingungen informieren und idealerweise eine Einverständniserklärung der Eltern mitführen.
Das hängt stark von Ziel und Dauer ab. Eine einwöchige Partyreise nach Lloret de Mar liegt bei etwa 400 bis 700 Euro. Ein Interrail-Ticket startet ab circa 286 Euro für 7 Reisetage für unter 28-Jährige, zuzüglich Unterkunft und Verpflegung. (Stand 2026)
Interrail mit günstigen Hostels und selbst gekochtem Essen, Freiwilligenarbeit mit Unterkunft und Verpflegung oder eine Gruppenreise mit Pauschalpreis. Auch das Reisen in der Nebensaison oder das Nutzen von Frühbucherangeboten kann erheblich sparen.



