Selfie-Jobs

Mit einem Selfie zum Job – muss das sein?

Selfiejobs ist eine App, mit der Firmen und Jobsuchende sich gegenseitig wie bei der Dating-App Tinder mit einem Wisch nach rechts für gut befinden können und dann ein Kontakt entsteht, wenn die Gegenseite ebenfalls interessiert ist. Ein Foto und ein kurzes Profil ersetzen hier die klassische Bewerbung mit Anschreiben, Lebenslauf und Qualifikationsunterlagen und vor allem soll die App eines – Firmen und Jobsuchende schnell und unkompliziert zusammenbringen. In Schweden und Dänemark wird Selfiejobs schon seit einigen Monaten vor allem von der jüngeren Generation genutzt und in Deutschland interessierten sich die Berliner schnell für diese neue Form der Jobvermittlung, die hierzulande erst seit April 2015 verfügbar ist.

Selfiejobs gilt in Deutschland noch eher als Geheimtipp unter Arbeitgebern und Arbeitnehmern, doch das Daten per Swipen war vor einigen Jahren auch noch verpönt und gilt inzwischen als echter Trend. Ähnlich wie bei Tinder stellt sich natürlich am Anfang die Frage, ob diese Art der Jobsuche und -vermittlung nicht zu oberflächlich ist, denn außer einem Foto und ein paar Eckdaten erhalten die Arbeitgeber keine weiteren Angaben über ihre Bewerber. Firmen und Jobsuchende sehen das allerdings sehr realistisch, denn die App ist für Branchen und Stellen gedacht, die auf umfangreiche Bewerbungsunterlagen verzichten können. 

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Was halten Firmen und Jobsuchende von Selfiejobs?

Der Gründer Martin Tall sagt über seine App Selfiejobs, dass vor allem Jobs im Service- und Verkaufssektor zu den typischen Angeboten auf seiner Plattform gehören. Anders als bei freien Stellen im Ingenieurswesen oder im Management liegt der Fokus in der Gastronomie und in einigen anderen Branchen weniger auf einer fundierten, langjährigen Ausbildung, denn Erfahrung im Job und ein freundliches, selbstsicheres Auftreten sind den Unternehmen hier wichtiger als Zertifikate. Die Firmen können für diese Jobs also eher auf das klassische Bewerbungsverfahren verzichten und wenn eine Stelle schnell besetzt werden soll, kann das mit Selfiejobs schon in wenigen Stunden realisiert werden. Vor allem junge Unternehmen nutzen die Möglichkeit, schnell Bewerber für freie Jobs zu finden und junge Jobsuchende finden diese zeitsparende Möglichkeit der Jobsuche durchaus praktisch.

Die Möglichkeit mit einem Foto oder einem kurzen Video und ein paar Angaben über die vorhandenen Erfahrungen auf Jobsuche zu gehen, ist besonders für Studenten interessant, doch auch andere junge Leute freunden sich problemlos mit dem Swipen für die Arbeitssuche an. Die Bewerber sparen Zeit und die Unternehmen Geld und Zeit, denn auf der einen Seite müssen keine umfassenden Bewerbungen verfasst werden und auf der anderen Seite fallen für Unternehmen großformatige Stellenanzeigen oder der zeitraubende Kontakt mit der Agentur für Arbeit weg. Durch das Herstellen eines direkten Kontakts bei einem Match können im Chat bereits wichtige Frage geklärt werden und beide Seiten haben die Möglichkeit sich schnell und unkompliziert für oder gegen ein Angebot zu entscheiden.

Die Vor- und Nachteile von Selfiejobs

Der größte Vorteil der App ist die Geschwindigkeit und die unkomplizierte Vorgehensweise bei der Jobsuche und dem Inserieren freier Stellen. Unternehmen und Arbeitnehmer können in wenigen Minuten Profile erstellen und sich dann einfach durch die Angebote oder Bewerber swipen. Besteht auf beiden Seiten Interesse aneinander, wird der Kontakt einfach per Chat direkt in der App hergestellt. So kann eine freie Stelle im Verkauf schon nach wenigen Stunden neu besetzt werden und die Jobsuchenden ersparen sich das lange Warten auf eine Rückmeldung zur schriftlichen Bewerbung. Der Arbeitsmarkt wird damit flexibler und beide Seiten können schnell reagieren, wenn sie fündig geworden sind.

Auf der anderen Seite lassen sich bei Selfiejobs natürlich keine ausführlichen Lebensläufe einpflegen und die Arbeitsuchenden füllen nur ein paar vorgegebene Felder aus, in denen Name, Wohnort und die letzten Jobs angegeben werden. Ob eine smarte Bedienung dann auch belastbar und teamfähig ist, lässt sich aus diesen Angaben natürlich nicht ersehen und so bleibt eine Restunsicherheit auf beiden Seiten.

Wird Selfiejobs den Arbeitsmarkt revolutionieren?

Der klassische Arbeitsmarkt mit seinen altbewährten Bewerbungsverfahren hat sicherlich auch weiterhin seine Berechtigung, doch aufwendige, schriftliche Bewerbungen und großformatige Zeitungsanzeigen für freie Stellen könnten sich in Zukunft vermehrt auf Branchen und Stellen konzentrieren, für die eine fundierte Ausbildung oder ein abgeschlossenes Studium gefragt ist. Der Kellnerjob im Cafe um die Ecke oder die Stelle zur Dateneingabe in der IT-Abteilung könnte hingegen schon bald über Selfiejobs oder ähnliche Miniprogramme einfacher und vor allem schneller neu besetzt werden. Ob sich der Trend zur Swip-Jobsuche per Smartphone aber wirklich durchsetzt, kann nur die Zukunft zeigen.

Welche Alternativen zu Selfiejobs gibt es?

Jobr und Truffls sind Alternativen zu Selfiejobs, die auf dem gleichen Prinzip basieren. Bei Truffls versucht ein selbstlernender Algorithmus Arbeitssuchende mit passenden Unternehmen zu verbinden und bei Jobr kann eine freie Stelle mit einem Wisch nach unten sogar mit Freunden geteilt werden. Das Prinzip der knackig kurzen Bewerbung lässt sich aber auch noch anders realisieren – beispielsweise mit einer Videobewerbung via YouTube. Firmen, die schon vorab sehen können, wie ein Bewerber sich selbst präsentiert, reagieren auf gut gemachte Clips durchaus positiv und die Einladung zum persönlichen Gespräch ist dann meist nur noch Formsache. Allerdings solltest du dir gut überlegen, für welche Stelle du die Vorgaben der klassischen Bewerbungsverfahren links liegen lässt, denn nicht jedes Unternehmen ist bereit seine belastbaren und praxiserfahrenen Strukturen zu vergessen, weil ein junger Bewerber sich kreativ und selbstbewusst mit einem Video vorstellen möchte.

Fazit

Selfiejobs ist eine App, die neue Trends setzen kann. Ähnlich wie bei Tinder wird es vermutlich eine Weile dauern, bis die breite Masse das leicht oberflächlich wirkende Verfahren akzeptiert, doch die junge Smartphone-Generation wird ihre Gewohnheiten mit in die Entscheidungsetagen tragen und in einigen Jahren könnte es völlig normal sein, dass freie Stellen und Bewerbungen über einem virtuellen Wisch zu einem realen Arbeitsverhältnis führen.

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